Markus Schneider im Interview bei BELViNi

Herr Schneider, bekannt sind ihre Weine nicht zuletzt wegen ihrer Namen. Black Print, Kaitui, usw. Wie kamen Sie darauf?

Jeder Name hat irgendwo einen Sinn und einen Hintergrund und eigentlich sind mir fast alle Namen selbst eingefallen. Als ich das mit dem Weinmachen begonnen habe, hatte die Welt nicht auf das 2000. Weingut gewartet was mit irgendeinem Familiennamen daherkommt und ich habe schnell gemerkt, dass Marken sich wunderbar positionieren lassen. Das geht natürlich immer nur, wenn Qualität dahinter steht. Das Ding funktioniert mit schönen Etiketten und schönen Namen zwei Jahre. Wenn die Qualität nicht stimmt, dann ist es weg von Fenster. Der erste Schritt war die Qualität. Ich habe dann gemerkt, dass es nur mit Qualität auch nicht funktioniert. Wenn es keiner kennt und keiner sexy findet,  dann steht es halt im Regal bzw. bei mir im Lager rum, da kommt man auch keinen Schritt weiter.
Ich habe damals noch relativ viel Traktorarbeit selbst gemacht. Sie sitzen da 8 bis 10 Stunden auf dem Traktor, werden furchtbar schmutzig,  bekommen eine super Bräunung im Sommer und haben ein Haufen verrückte Ideen Und von diesen ganzen Ideen ist ungefähr  1% hängen geblieben. Und davon noch mal die Hälfte – die war gut. Das hab ich mir dann aufgeschrieben und überlegt wie man es machen könnte und so sind Namen entstanden. Ganz einfach.

Was steckt hinter dem Namen Ursprung?

Ich wollte ein schönes deutsches Wort. Ich bin ja mit Black Print ein bisschen außer der Reihe mit meinen ganzen Namensgebungen. Ich habe ein schönes deutsches Wort gesucht was den Anfang von irgendwas beschreibt. Dort in der Gegend standen die ersten Rotweinstöcke in meiner Heimat, wo jetzt die meisten Trauben vom Ursprung herkommen. Und ist es der Beginn unserer Rotweinkollektion. Ich hab ein schönes Wort gesucht was auch ein bisschen den Alltag beschreibt und immer funktioniert. Ein Ursprung funktioniert eigentlich immer. Ohne den Ursprung gäbe es nichts. Ohne den Ursprung gäbe es mich vielleicht in dem Sinne wie es mich heute gibt auch nicht.

Was macht Ihre Weine besonders?

Ich denke da steht ein großes Stück Fleiß und Arbeit dahinter – also von mir, obwohl Eigenlob stinkt, und von meinem Team und meiner Familie. Ohne die würde es nicht funktionieren,  sagt jeder, ist aber so. Das Team macht es super, die ganze Familie zieht mit und wenn ich gefragt werde, was das Besondere ist, dann sag ich Fleiß, Pünktlichkeit, richtig viel arbeiten, kreativ sein. Das sind die Eckpunkte und damit ist das Gegenüber nie ganz zufrieden, aber wissen Sie was, das ist eigentlich das Geheimnis von allem.

Welcher Wein am besten gelungen? Haben Sie einen eigenen Favoriten?

Ich bin zweifacher Papa, Weine habe ich mehr, aber ich bin zweifacher Papa. Und wenn mich jemand fragt – das hat aber noch keiner gewagt – welches Kind ich lieber habe, wäre das totaler Käse. Sie sind beide ganz unterschiedlich und ich habe beide unheimlich gern. Bei den Weinen ist es so, das darf man jetzt nicht miteinander vergleichen, denn es ist ein Produkt was man zwar mit viel Liebe herstellt, aber es ist nicht mit der Familie zu vergleichen. Ich glaube das größte Glück war im Nachhinein der Black Print. Vom Black Print ging auch das ganze Design aus. Das war das erste Etikett, das in diesem Stil gemacht wurde. Das hat mich unglaublich geprägt. Aber ich könnt jetzt nicht sagen, dass ich einen Wein am liebsten hätte. Das ist totaler Quatsch. Ich steh auf alle.

Sie sind sehr erfolgreich. Wenn das alles nicht so gekommen wäre und Sie könnten noch mal anfangen. Haben Sie eine Vorstellung wo/was das wäre?

Da stellt sich die Frage, ob ich überhaupt Winzer wäre. Vielleicht hätte ich mehr an meiner Fitness gearbeitet und würde am 25. Mai im Champions League Finale in London stehen.

Für welche Mannschaft?

Ach, ich würde bei allen Vieren die jetzt im Halbfinale stehen gerne kicken. Aber dazu fehlt natürlich das Talent. Und weinmäßig war ja auch nie vorgezeichnet, dass ich da überhaupt ein Talent besitze. Ich kann es Ihnen überhaupt nicht sagen. Der Anfang war ja auch unglaublich zäh, das verkennen ja viele. Das waren schon sieben, acht trockene, ganz harte Jahre. Überhaupt kein Geld, wirklich gar kein Geld. Wir haben uns damals auch oft gefragt, ob das der richtige Weg war, ob wir alles richtig gemacht haben, ob man es nicht leichter haben könnte. Uns würde es zwar genauso schlecht gehen, nur eben einfacher. Vielleicht hätte ich was ganz anderes gemacht. Ich weiß es nicht, aber ich kann mir heute keine Alternative vorstellen.

Hatten Sie vor Ihrer Lehre Pläne?

Ich habe mit 15 meine Lehre begonnen. Ich weiß nicht welcher Jugendliche – abgesehen von Justin Bieber – mit 12 schon weiß, was er irgendwann man werden will. Als kleines Kind möchte man eher Lokführer oder Pilot werden; Fußballspieler, fand ich immer super. Mit 15 hab ich das damals einfach probiert und gesagt: Ich mach das! Ich habe auch nicht überlegt was passiert, wenn das schiefgeht. Bei uns, in diesem sozialen Umfeld in dem man als Kind aufwächst, auf dem Land, in der Pfalz, konnte man nicht sagen, dass man das mal ein Jahr macht und dann was anderes versucht. Da ist man gleich ein Idiot. Das wird schwer akzeptiert. Heute ist es anders. Aber das ist auch schon 20 Jahre her. Und ich hab das probiert und es hat geklappt. Ich hätte mich da schon durchgebissen, auch wenn es mir nicht gefallen hätte. Heute bin ich begeistert. Das war die beste Idee meines Lebens.

Ihre Familie hatte schon Verbindungen zum Winzergeschäft. Sie waren Weinbauern, richtig?

Sie haben Trauben produziert für ein ansässiges großes Weingut und auch Obstbau betrieben. Also das Steckenpferd und die Leidenschaft von meinem Papa liegen eigentlich im Obstbau, immer noch. Ich versuch es ihm auszureden. Im Nachhinein war alles richtig.

Sie haben sich mal als temperamentvoll und ungeduldig bezeichnet. Wie muss man sich das vorstellen, schreien Sie dann mal Gärtanks an?

Früher ja, heute nicht mehr. Der Pfälzer ist an sich sehr emotional, sehr ungeduldig und laut. Das mag meine Frau überhaupt nicht. Und ich hab in den letzten Jahren stark an mir gearbeitet. Ich denk ich bin ein relativ sanfter Charakter geworden. Nicht weil ich mich unbedingt komplett ändern wollte, aber man wird auch älter und gelassener und ruhiger. Aber an sich ist die Emotion beim Pfälzer drin und die bringst du nicht raus. Meine Frau schimpft immer und sagt, dass es nicht gut ist, dass ich so bin. Ich behaupte, dass das eine Charakterstärke von mir ist. Und das hat mir auch irgendwo geholfen mich durchzubeißen und das zu schaffen.

Ist es besser geworden mit Erfolg?

Nee, die Geduld kriegen Sie bei mir auch nicht mehr rein. Da müssen Sie eine Genveränderung vornehmen.

Regiert bei Ihnen im Weinberg und Keller eher der Bauch oder eher der Kopf?

Eine Frage, die ich noch nie gestellt bekommen habe. Ich denke nur aus dem Bauch heraus ist es eine ganz kopflose Sache. Nur mit dem Kopf ist viel zu technisch. Bei mir es ist ein Mix aus beidem. Ich denk zum ersten Mal in meinem Leben darüber nach. War für mich vorher noch nie ein Thema. Ich denke ohne Überlegungen nur irgendwo rein zu rennen hat schon manchem einen Bauchschuss beschert. Das funktioniert nicht unbedingt. Ich bin vielleicht ein zu großer Kontrollfreak als das ich das dann einfach so entscheiden lassen würde.

Sie sagten mal, Sie würden am liebsten alles persönlich machen.

Ja, ich häng mich halt überall rein. Gibt da ein paar verdrehte Augen von meinen lieben Mitarbeitern bzw. von meiner Familie, aber im Nachhinein hab ich dann doch immer Recht.

Wir haben viel über Wein gesprochen. Kommt auch mal der Punkt, wo Sie sagen ich will jetzt mal nicht in den Weinberg/Keller? Jetzt mal nur für einen Tag, ein paar Stunden…

Ja gut das haben wir ja alle. Feierabend ist Feierabend. Wenn ich im Urlaub bin, guck ich mir keine Weingüter an. Ich kann da wirklich abschalten. Dieses immer über Wein reden, da werden mich jetzt ein paar Kollegen verfluchen, aber das geht mir so furchtbar auf den Senkel. Es gibt da noch was anderes im Leben.

Also es gibt sozusagen ein Wochenende. Und was machen Sie da?

Ich hab 2 Kinder. Haben Sie Kinder? Sehen Sie! Ich brauch nichts anderes. Sonntags bin ich für die Familie da. Das verstehen wenige Weinhändler, wenn ich sage: Hausmesse kannst du machen, aber ohne mich, weil Sonntag ist. Und das ist wichtig. Wie viele Sonntage haben wir im Jahr? Dann geht ja bei mir noch die Ernte weg. Das sind ungefähr 8 Sonntage die ich im Jahr verliere und vielleicht drei bis vier Hochzeitseinladungen die ich immer sonntags habe. Der Rest ist für die Familie. Dann kommen die ins Auto und wir fahren in den Pfälzer Wald. Sie verstehen zwar nicht wie man so etwas gut finden kann, hab ich als Kind auch nicht, aber es ist richtig schön. Oder man trifft sich mit Freunden. Oder wir pflegen Pfälzer Gasthauskultur.

Sie haben als heimliche Leidenschaft mal Architektur angegeben. In welche Richtung geht’s da?

Mich interessiert das einfach. Wir haben vor ein paar Tagen mit dem nächsten Bauabschnitt bei uns auf dem Gelände begonnen. Deswegen beschäftige ich mich in den letzten Jahren dauernd mit Architektur und muss mich mit den Leuten, die die Ideen bringen, auseinandersetzen. Deshalb interessiert es mich. Ich guck mir gern schöne Häuser an, funktionale Sachen – es muss nicht mal schön sein, sondern funktional.

Mich interessiert auch was man mit wenig Geld schön machen kann. Ich generier das Ganze aus meinem Betrieb, den es ja auch noch nicht so lange gibt, und der ganz klein angefangen hat. Und dann versuche ich eben das Bestmögliche mit meinen Mitteln zu machen. Und da muss man sich mit dem Thema beschäftigen. Wenn Geld keine Rolex spielt, kann man wunderschöne Sachen machen.

Auf die Frage, mit wem Sie mal eine Weinprobe machen wöllten, haben Sie Ulrich Tukur genannt. Warum Tukur? Eher Tukur der Sänger, oder Tukur der Schauspieler?

Das wurde ich vor Jahren gefragt. Ich glaub mich interessiert beides. Mich interessiert der Sänger und der Schauspieler. Ja klar, ich wurde mal gefragt mit wem würde ich gern Wein trinken. Ich glaub das war relativ kurz nachdem ich ihn mal in Berlin getroffen hab. Ich habe ihn bei einer Küchenparty kennen gelernt und da haben wir uns unterhalten. Er lebt ja in Italien. Ich finde ihn einfach faszinierend und finde die Filme super. Aber ich glaub es gibt Wichtigeres als mit berühmten Persönlichkeiten eine Weinprobe zu machen. Wenn ich Samstag heimfliege und paar Stunden mit meiner Frau habe, ist das auch schön. Da wird sie sich freuen wenn Sie das hört.

Diese Bodenständigkeit bei Winzern ist faszinierend. Die wollen auch alle mit ihrer Frau eine Nacht im Weinberg verbringen, hat noch nie jemand was anderes gesagt.

Würde ich meine Frau nachts wecken und sagen: „Komm wir gehen in den Weinberg“, oder ich bereite so einen Abend vor, würde sie sagen, komm lass uns auf die Couch gehen. Also, was will ich mit meiner Frau nachts im Weinberg? Jetzt mal ganz ehrlich. Wir kennen uns ja schon ein paar Jahre. Da ist es dunkel, vielleicht kalt oder feucht. Daheim ist schöner.

 

Das Interview mit Markus Schneider führten Lars Thümmler und Madlena Voigt bei Markus Schneiders Besuch bei der BELViNi.DE GMBH in Dresden.
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